Brettgeflüster

23. August 2008

the time has come

Gespeichert unter: Musik — admin @ 21:28
An der Gold-Coast dröhnte Ende der 70er aus Surfer-Vans neuartige Musik, es war progressiv und kam mal nicht aus Kalifornien. Es war australisch, australischer ging es nicht, es war auch aggressiv, es war schnell, vor dem Surfen hörte man sich das Lied „Cold Cold Change” an, „Back On The Borderline” wurde zur Hymne einer Surfer-Generation, Midnight Oil war die Band.
1976 stieß Peter Garrett zu der Band „The Farm”, er war gerade mit dem Jura-Studium durch, als die Band nach einem Sänger suchte. So wurde aus „The Farm” „Midnight Oil”, aus der Farm wurde das Lampenöl, aus dem Lampenöl wurde eine der erfolgreichsten Band Australiens. Von Anfang an war die Musik ein politisches Instrument, von Anfang an nutzte Peter Garrett seine Stimme gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Dummheit der Menschen.
1980 erschien mit „Wedding On Cakes Island” aus dem Album „Bird Noise” ein einfacher Instrumentalsong, das zu diverse Ohrwürmer geführt haben dürfte. Es ist ein ruhiger Gitarren-Song, ungewohnt melodisch und zeigt, wie Facettenreich das Repertoire der „Oils”  bereits war: sie beherrschen auch die Surfgitarre.
1982 erreichte das Lied „ The Power And The Passion” aus dem Album „10,9,8,7,6,5,4,3,2,1,0″ Platz 8 der australischen Charts. „10,9,8,7,6,5,4,3,2,1,0″ war auch das erste Album, das außerhalb Australiens veröffentlicht wurde, jedoch mit minderem Erfolg. Mit „US-Forces” stellen die „Oils”, auf leicht ironischer Weise, die neoimperialistische Interesse der US-Armee dar, es war die Zeit nach Carter, es war die Zeit von Reagan, es war die Zeit der Wiederaufrüstung.
1984 wurde es um Peter Garrett politischer, er gründet die „Nuclear Disarmament Party”, kandidiert für den australischen Senat, ohne Erfolg… Im selben Jahr erschien das Album „Red Sails in the Sunset”, 1985 die EP „Species Deceases”.
1986 (in Europa und den Vereinigten Staaten 1987!) kam das Album „Diesel and Dust” raus, mit dem Lied „Beds are Burning” wurden die „Oils” nun international erfolgreich. „Beds are Burning” und die Vorgängersingle „The Dead Heart” setzten sich mit dem Dasein der Aborigines auseinander, man müsse ihnen das Land zurückgeben, man solle ihnen endlich Konzessionen machen, nach über 100 Jahre der Unterdrückung und der teilweise Ausrottung.
Mit „Blue Sky Mining” ging es trotz vier-jähriger Pause im gleichen Ton weiter, das Album erreichte selbst in Deutschland den 2. Platz während die Single „Blue Sky Mine” Platz 45 der Charts erreichte.
Peter Garrett politisches Engagement ging in der Zeit natürlich weiter, er wurde von 1989 bis 1993 zum Präsident der „Australian Conservation Foundation” gewählt, eine australische Umweltschutzgruppe.  1993 gehörte er zum Board von Greenpeace International und die “Oils” brachten das Album „Earth and Sun and Moon” raus, musikalisch folgte es die Vorgängeralben. Die Band wurde im New Yorker Sony Studios als bisher einzige australische Band zu den MTV Unplugged eingeladen.
Nach der Welt-Tournee 1993 und 1994 folgte 1996 das Album „Breathe” als Ode an den Ozean, der uns perfekte Wellen beschert und uns somit die Möglichkeit gibt surfend den Alltag zu entfliehen, an den Ozean der auf der anderen Seite tagtäglich von uns Menschen als Lebensraum zerstört wird. Die Musik auf dieses Album war akustischer denn je, es war einfach und erinnert eher an Folk, als an Rock.
1997 kam mit „20.000 WATT R.S.L.” ein Best-Of-Album, das Album wurde eröffnet mit dem Lied „What Goes On”, es ist das aggressivste Stück, das Midnight Oil je produziert. Es ist als Reaktion auf die Politik der rechtskonservative Pauline Hanson zu verstehen, in Rage gesetzt gab sich die Band zum Besten. Das Lied erschien ein Jahr später auf dem Album „Redneck Wunderland”, „Redneck Wunderland” war experimentierfreudiger, zum ersten Mal über die Orgel, den Gitarren, dem Bass und dem Schlagzeug hinaus wurden Elemente aus der elektronischen Musik reingemixt und der Klang war rund, die Band verlor nicht einmal ihre Identität, es blieb weiterhin „Midnight Oil”. Zum aggressiven Ton sagte der Schlagzeuger Rob Hirst nur: “Midnight Oil is at its best when we’re pissed off.” Das Album wurde in Europa und den USA von der Plattenfirma jedoch nicht ausreichend gefeatured,  so dass man hierzulande auf das Album nicht wirklich aufmerksam wurde, leider.
Von 1998 bis 2004 folgte die 2. Amtszeit von Peter Garrett als Präsident der „Australian Conservation Foundation”.
Im Jahr 2000 trat die Band auf der Abschlussfeier zu den olympischen Spielen in Sydney auf,  schwarzgekleidet mit großer Aufschrift „Sorry”. Der konservative Ministerpräsident John Howard sollte daran erinnert werden, dass es zur Pflicht der Regierung gehöre sich bei den Aborigines zu entschuldigen, was er stets ablehnte.
Ende 2001 fand eine große Nordamerika-Tour statt, mit 29 Stationen. Anfang 2002 kam das Album „Capricornia” in Australien und Nordamerika raus, musikalisch angelehnt an „Diesel And Dust” und „Blue Sky Mining”, da es wieder von Warne Livesey produziert wurde, das Album erreichte jedoch nur Platz 8 in Australien, die schlechteste Platzierung seit „Place Without a Postcard” im Jahre 1981. Es folgte wieder eine große Nordamerika-Tour mit diesmal 40 Stationen. Zur Halbzeit der Nordamerika-Tournee brach die Band nach Europa auf und gab ein Konzert in Paris und ein anderes auf dem Fierce Festival im vereinigten Königreich. Ende des Jahres fand wieder eine Tournee auf australischen Boden statt, die Band gab 39 Konzerte: über 80 Konzerte gab die Band im Jahre 2002. Das Album „Capricoria” wurde nach langem Warten doch noch am 18. November 2002 in Europa veröffentlicht, für Dezember wurde eine Tour auf dem Kontinent geplant mit 15 Konzerte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, doch zu der Tournee kam es letztendlich nicht mehr.
Am 2. Dezember 2002 entschied sich der charismatische Peter Garrett die Band zu verlassen, um sich intensiver der Politik zu widmen, es war nach 25 Jahren das Ende der Band.
Die letztgültige Erklärung erschien am 2. Dezember 2002, gut zwei Wochen nach Ende der Australien-Tournee, auf der Webseite der Band. Sänger Peter Garrett hatte sich entschlossen, die Band zu verlassen, um andere Interessen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen seien, zu verfolgen. Man trenne sich „in Freundschaft und Respekt” voneinander, so die Erklärung weiter. Nach 25 Jahren bedeutete dies das Ende der Band Midnight Oil.
Im Oktober 2004 lies sich Peter Garrett als Abgeordneter der Labor Party im traditionell linken Wahlkreis Kingsford-Smith ins australische Parlament wählen und nach dem Wahlsieg der Labor Party bei den Parlamentswahlen 2007 wurde er zum Minister für Umwelt, Kulturerbe und Kunst ernannt im Kabinett des Ministerpräsident Kevin Rudd. Die neue Regierung ratifizierte als erster Regierungsakt das Klimaschutzprotokoll von Kyoto und kündigte an Truppen aus dem besetztem Irak abzuziehen.
Aus der Farm wurde mit Garrett das Lampenöl, aus dem Lampenöl wurde wohl die sozialkritischste Band des letzten Jahre, aus dem engagierten Peter Garrett wurde nun ein Politiker mit Visionen, der für sein Land und für alle seine Bewohner eine intakte Umwelt sich wünschte und soziale Gerechtigkeit jenseits farblicher Unterschiede.Der vorerst letzte Auftritt der Band fand am 29. Januar 2005 im Rahmen von WaveAid, ein Benefiz-Konzert für die Tsunami-Opfer, statt. Es wird noch mehr folgen von Peter Garrett, aber auch von Midnight Oil.

Läuft mit WordPress